Dieters Texte     

 




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Tierkonferenz

 

Am Waldrand, nah' dem blauen See,

traf sich dereinst ein scheues Reh

mit einem wohl genährten Fisch.

Zwei Hasen brachten einen Tisch,

zudem, trotz feuchter Abendkühle,

zum Sitzen auch noch ein paar Stühle.

 

Von drüben, von der grünen Wiese,

gesellte sich das Lamm Luise

und auch ein Ochse noch dazu,

vorbei war's mit der Waldesruh.

 

Die Gans, mit großer Kompetenz,

eröffnete die Konferenz.

Es ging um Steuern, Subventionen,

würd' sich im Wald das Leben lohnen?

Ob herrsche auch Gerechtigkeit,

ob die Regierung sei gescheit?

 

Der Ochse sprach, er sei kastriert,

von daher kaum privilegiert,

er wolle deshalb protestieren

und auch ansonsten opponieren.

 

Das Reh, es war sehr unzufrieden,

der Fisch wollt' den Beschluss verschieben.

Das Lamm verließ die Konferenz,

fuhr mal in Urlaub - jetzt im Lenz.

Die Hasen wollten schnell ein Votum,

doch ohne Ochs, der ohne Skrotum.

 

So gab es schließlich kein Ergebnis,

die Zeitung schrieb von dem Erlebnis.

Am Schluss des Treffens trat zurück

die Gans, weil sie im Missgeschick.

So war es bei den Tieren eben,

das soll's ja auch bei Menschen geben.

 

Über Vögel

 

 Bedeutsam neben Mensch und Blume,

dem Fluss, dem Feuer und der Muhme,

lebt in der Welt ein nettes Tier,

das Beine hat, nur zwei statt vier.

 

Jawohl, es ist der Vogel Strauß,

doch auch der Star, die Fledermaus,

die Elster oder auch der Storch.

Was nun besonders, bitte horch:

 

In Nächten, wenn die Vögel schlafen,

wenn jedes Schiff sucht seinen Hafen,

wenn ich möcht' ruhen wie ein Kind,

hilft mir allein der Granufink.

 

"Liebweh"

 

   Liebweh brennt in meiner Seele,

denk' ick an den Rosenhain,

wo die Hedwig, janz alleene,

war zu mir doch so gemein.

 

Ick, in Liebe voll entbrannt,

bin ihr hinterher jerannt.

Sie jedoch hat nur jelacht

und sich schnell davon jemacht.

 

In dem Hain voll roter Rosen

such' ick Stunden meene Hosen!

 

Det Jegenteil

 

 Ick war och mal been Kommiss,

ach, Herrjott, war det en Schiss.

In der Reihe musst ick steh'n,

konnt' nach vorne jar nischt seh'n.

 

Vor dem Palais, eine Pracht,

ham'se uns denn lang jemacht.

Allet für de Republikt,

ordentlich ins Knie jefickt.

 

Det Jewehr sei meene Braut!

Ham'se die det Hirn jeklaut?

Meene Olle, die is jeil,

vom Jewehr det Jegenteil!

 

Die Ostereifalle -

oder wie schnitze ich mir schnell noch ein Ostergedicht!

 

Ein Hase osterte so rum

und traf ganz zufällig dabei

ein farbenfrohes Osterei.

 

Das Ei, im Grase ausgestreckt,

von dünner Schale nur bedeckt,

hat unsren Hasen keck geneckt,

der hat mal scheu an ihm geleckt.

 

Da fiel ein Schuss,

der Hase tot!

Der Jäger aß zum Abendmahl,

ja, denkste: Nur ein Ei mit Aal,

denn für den leckren Hasenbrarten,

musst er auf seine Frau noch warten!

 

Schwieriger Doppelmord

 

 Ein Mensch, mit Geld nicht mehr so flüssig,

war seines Lebens überdrüssig.

Beeinflusst war der Todgedanke

zudem von seiner Freundin Anke,

denn diese war nicht treu gewesen,

so war's in ihrem Brief zu lesen.

 

Der Mensch ging drauf zum Bahnhof dann

und trat dort auf die Gleise.

Jedoch, die Bahn, sie streikte heut' -

ganz unglücklicher Weise.

 

So nahm der Mensch sich einen Strick,

doch wollte es das Ungeschick,

dass dieser ist sehr schnell gerissen,

denn er war reichlich schon verschlissen.

 

Zerstört am Boden saß der Mensch

und sah auf der Konsole,

dort lag im fahlen Abendlicht,

matt glänzend die Pistole.

Jedoch, der Abzug, vehement,

an diesem Tag, hat er geklemmt!

 

Der Mensch, er eilte in den Keller,

nahm dort ein Beil von einem Teller,

schlug, im Gesicht nun zornesrot,

zunächst einmal die Anke tot.

Am Tag darauf, impertinent,

hat auch der Abzug nicht geklemmt.

 

1. Mai

 

Oh, Mai, das sei dir unbenommen,

heut' Nacht warst du mir gut gesonnen.

Der Tag schon warm mit einer Brise,

die Nacht, ach, keine war wie diese.

 

Und eine Stunde war zerronnen,

kaum, dass die Übung hat begonnen

auf einer bunten Maienwiese,

kamst du, kam schließlich auch Elise.

 

 



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